Healthcare-Barometer 2017: Das denken die Deutschen über das Gesundheitssystem

23. Februar 2017 | By More

Um das Image der Pharmaindustrie ist es in Deutschland weiterhin schlecht bestellt: Nach Einschätzung von fast drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) ist die Branche vor allem auf ihren eigenen Gewinn bedacht und wirtschaftet zu Lasten der Sozialkassen. Nur 19 Prozent glauben, dass es sich im Pharmabereich um Unternehmen handelt, die mit ihren innovativen Produkten Krankheiten heilen helfen. Das ist ein Ergebnis des Healthcare Barometers 2017, für das die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) tausend Bundesbürger befragte.

Sieben von zehn Befragten (68 Prozent) wünschen sich, dass die Hersteller mehr auf innovative Forschung setzen als auf die Entwicklung preisgünstiger Nachahmerprodukte. „Die Pharmaindustrie wird von Seiten der Öffentlichkeit oft zu Unrecht geprügelt. Denn die forschenden Arzneimittelhersteller stehen durch die Kostenexplosion im Gesundheitswesen, in der Arzneimittelforschung und in der klinischen Erprobung enorm unter Druck. Die Erlöse sind in manchen Indikationsgebieten so gering, dass Forschung trotz exzellenter Infrastruktur in Deutschland immer schwerer zu finanzieren ist“, betont Michael Burkhart, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma.

Zufrieden mit der Leistungen der Krankenkasse

Dagegen fällt die Beurteilung des deutschen Gesundheitswesens insgesamt äußerst positiv aus. So bestätigen vier von fünf Befragten (79 Prozent), alle Leistungen für eine gute medizinische Versorgung zu erhalten. Dies ist umso bemerkenswerter, als nur 40 Prozent eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. 85 Prozent sind mit den Leistungen ihrer Krankenkasse/Krankenversicherung zufrieden und zwei Drittel 64 Prozent (+ 5%-Punkte gegenüber Vorjahr) zählen das deutsche Gesundheitssystem zu den Top-3 der Welt.

Knappe Zeitbudgets machen unzufrieden

Der zentrale Kritikpunkt bei der ärztlichen Behandlung: Die Ärzte nehmen sich nach Einschätzung der Befragten zu wenig Zeit für ihre Patienten. Dies betonen 41 Prozent der gesetzlich Versicherten, bei den Privatversicherten sind dies lediglich 32 Prozent. Vor allem Jüngere unter 55 Jahren erwarten zunehmend, dass der Arzt ausreichend Zeit für sie vorhält (45 Prozent), bei der Gruppe der über 55-Jährigen sind es dagegen nur 33 Prozent. Positiv: Bei den Privatpatienten ist jeder Zweite und bei den gesetzlich Versicherten jeder Dritte mit seiner ärztlichen Behandlung zufrieden.

Ungenutzte Chancen: Behandlung im Ausland

Die Versorgung in deutschen Kliniken schätzt etwa die Hälfte der Befragten (53 Prozent) als gut ein, insoweit stehen medizinische Behandlungen im EU-/EWR- Ausland oder in der Schweiz nicht unbedingt im Fokus. Nur 1 Prozent hat sich schon einmal einer Operation im Ausland unterzogen, wobei es sich vorwiegend um Zahnbehandlungen handelte. Als Grund dafür werden vor allem geringere Kosten genannt. 77 Prozent der Befragten sahen bisher dagegen keine Notwendigkeit für eine Behandlung im Ausland. „Hier tut sich zwar ein riesiges Potential auf, aber 27 Prozent sind sich unsicher, ob die medizinischen Standards im Ausland deutschen Anforderungen entsprechen und verzichten deswegen lieber darauf. Vor allem Jüngere unter 35 Jahren haben Bedenken wegen Sauberkeit und Hygiene in Kliniken außerhalb Deutschlands“, so Michael Burkhart.

Online-Foren gewinnen an Bedeutung

Der Hausarzt stellt nach wie vor die erste Anlaufstelle dar, wenn es um die Informationssuche vor einem Klinikaufenthalt geht: Er wird von 60 Prozent der Befragten bei solchen Fragen konsultiert. Der Freundes- und Bekanntenkreis folgt mit 42 Prozent an zweiter Stelle. Das Internet gewinnt aber immer weiter an Bedeutung. Neben Websites von Kliniken (34 Prozent) und Bewertungsportalen (36 Prozent) werden vor allem Online-Foren (20 Prozent) immer beliebter. Zum Vergleich: 2015 nannten nur 11 Prozent der Befragten Online-Foren als Möglichkeit der Informationsbeschaffung. Vor allem die Gruppe der unter 35-Jährigen setzt auf Infos aus dem Netz. Michael Burkhart: „Das Healthcare Barometer zeigt deutlich, wohin der Weg für niedergelassene Ärzte in Zukunft geht: Sie müssen die Stärken ausspielen, die das Internet nicht hat, sich Zeit für Patienten nehmen und Vertrauen aufbauen. Angesichts einer wachsenden Gruppe von Patienten, die mit dem Internet aufgewachsen sind, müssen Arztpraxen digitale Komponenten in ihr Geschäftsmodell integrieren, um den Kontakt zu Patienten zu pflegen, den Service zu verbessern und Abläufe zu optimieren.“

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Quelle: PwC

Category: Gesellschaft

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